Paarseminare-Jahreszyklus IV
"Maithuna Rasa - Die tantrische Vereinigung"
| maithuna (sanskrit):
|
Rituelle Vereinigung von Shiva und Shakti, dem männlichen und weiblichen Prinzip im Universum |
| rasa (sanskrit): | Essenz und Geschmack eines Dinges, spirituelle Essenz von Gefühlen |
Dieses Wochenende ist der vierte Teil des Jahreszyklus für Paare. Es ist aber auch offen für Paare, die einen Jahreszyklus oder ein Maithuna-Ritual bei einem anderen Anbieter absolviert haben.
Die vorigen drei Paarseminare des Jahres dienten dem Wachstum der Beziehungen und der körperlichen und geistigen Vorbereitung auf das tantrische Ritual.
Die Zeit vor dem Tantra Ritual dient dem körperlichen und geistigen Übergang aus der Welt unseres Alltags in den tantrischen Ritualraum. In der Nacht des Samstag auf Sonntag feiern die Paare die rituelle Vereinigung des göttlich-weiblichen und des göttlich-männlichen Prinzips im Universum - energetisch im Inneren und körperlich mit dem realen Partner, der in dieser Nacht das jeweilige gegengeschlechtliche göttliche Prinzip verkörpert. Auf diese Weise erfahren wir die Essenz und spirituelle Dimension unserer tiefsten Kräfte und Energien.
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Ritual
Tantra geht davon aus, daß der Pfad zur Erleuchtung in erweiterter
sexueller Aktivität zu finden ist.
Alle Fähigkeiten des Menschen – die körperlichen, geistigen
und emotionalen – werden so stark wie möglich angeregt und dann
mit der Fähigkeit der Kontrolle kombiniert, um immer neue Freuden zu
ermöglichen.
In verschiedenen Stufen der Rituale lernt man, wie sexuelle Energie erzeugt
und auf hoher Stufe aufrecht erhalten werden kann. Man lernt weiterhin,
wie Sinnlichkeit und sexuelle Energie eingesetzt werden können, um
sexuelle Lust von ungeahnter Intensität zu erzeugen. Die sexuelle Energie
kann so gelenkt werden, daß sie die alltäglichen Aktivitäten,
den Geist , die Emotionen und den Körper beherrscht. Damit erlangt
man die Fähigkeit, die Quelle der schöpferischen Energie anzuzapfen
und diese Kreativität zu nutzen, um Probleme zu lösen oder neuen
Ideen hervorzubringen.
Tantra hat eine Reihe von Ritualen entwickelt, die dazu dienen, die sexuelle
Konzentration zu vertiefen. Seine Rituale erzeugen eine durch und durch
sexuelle Lebenseinstellung, wir erfahren Neues über unsere Sinne und
entsprechend auch über unsere Gefühle. Sexuelle Erlebnisse, die
wir zuvor nicht kannten, werden Teil unserer Gefühls- und Erfahrungswelt.
Durch tantrische Rituale werden wir in die Lage versetzt, unsere sexuelle
Energie nutzbar zu machen und sie überströmen zu lassen, so daß
Lebenskraft und Genuß das Alltagsleben durchdringen. Durch die selbsterneuernden
tantrischen Rituale werden unsere Existenz mit Selbstvertrauen und innerem
Frieden erfüllt.
Rituale können allein geübt werden – diese führen zu einer völlig neuen Wahrnehmung der eigenen Sinnlichkeit und Sexualität. Zugleich lernt man, wie man die sexuellen Kräfte durch die Kontrolle stärken und die sexuelle Energie in andere Lebensbereiche kanalisieren kann. Danach kann man zu den Paar-Ritualen übergehen.
Aus: Ashley Thirleby, Das Tantra der Liebe
Zu Beginn der sexuellen Vereinigung richte deine Aufmerksamkeit auf das anfängliche Feuer und verharre darin, um die Gluthitze des Endes zu vermeiden.
(Sutra aus dem Vigyana Bhairava Tantra)
Bleibt beim Vorspiel, strebt nicht dem Ende zu. Und wie macht man das? Um am Anfang bleiben zu können, muß man sich viele Dinge zu Herzen nehmen. Das erste ist: Faßt den Liebesakt nicht als ein Mittel auf, um irgendwohin zu gelangen. Benutzt ihn nicht als Mittel zum Zweck. Er ist in sich schon selbst das Ziel - er hat kein Ziel. Er ist kein Weg, der irgendwohin führt.
Zum zweiten: denkt nicht an die Zukunft, bleibt in der Gegenwart - und wenn ihr während des Vorspiels nicht in der Gegenwart bleiben könnt, dann könnt ihr es nie, da es in der Natur des Aktes liegt, euch in die Gegenwart zu werfen.
Erregung ist Energie. Ihr könnt sie verlieren, indem ihr zum Höhepunkt kommt. Dann seid ihr leer, und daraufhin fallt ihr in einen depressiven Erschöpfungszustand. Das mögt ihr für Entspannung halten, aber es ist ein negativer Zustand.
Tantra führt euch in eine höhere Dimension der Entspannung, und diese Dimension ist positiv. Ineinander verschmelzend geben sich die beiden Partner Energie. Sie werden zum Kreis, ihre Energie beginnt kreisförmig ineinander zu verschmelzen. Auf diese Weise geben sie sich Leben, sie erneuern ihre Lebenskraft. Dabei geht keine Energie verloren, sondern im Gegenteil, sie bekommen neue Energie, weil durch den Kontakt mit einem Partner jede einzelne Zelle stimuliert wird. Und wenn ihr euch in diese Stimulation fallen lassen könnt, ohne sie zum Höhepunkt zu treiben, wenn ihr in der Anfangsphase bleiben könnt, ohne heiß zu werden und statt dessen einfach eure Wärme austauscht, begegnet ihr einander. Der Liebesakt kann über sehr lange Zeit ausgedehnt werden. Ohne Ejakulation, ohne sinnlos Energie zu verschleudern, wird er zur Meditation, und dadurch werdet ihr zur Einheit.
Der tantrische Liebesakt kann so oft wiederholt werden, wie du willst - im Gegensatz zum gewöhnlichen Sexakt, bei dem man seine Energie verliert und warten muß, bis der Körper sich wieder erholt hat. Und kaum hat er neue Energie gesammelt, schleuderst du sie auch schon wieder heraus - das muß dir doch irgendwann absurd vorkommen! Damit verbringst du dein Leben - es ist wie eine Sucht.
Wenn ihr nach einem tantrischen Liebesakt zurück auf die Erde kommt, seid ihr aufgestiegen, nicht gefallen. Ihr seid mit Energie geladen, ihr seid lebendiger und frischer als je zuvor. Und dieser ekstatische Zustand kann stundenlang, ja sogar tagelang anhalten. Das hängt davon ab, wie sehr ihr darin aufgegangen seid.
(Auszug aus einem Diskurs von Osho zu diesem Sutra)
Wenn ein Mann eine Frau liebt, dann liebt er natürlicherweise auch
viele andere Leute; oder wenn eine Frau einen Mann liebt, dann liebt sie
auch andere Menschen, denn Liebe kann sich nicht auf eine einzige Person
beschränken. Falls überhaupt Liebe da ist, kann sie sich nicht
beschränken. Unproblematisch wird es nur, wenn keine Liebe da ist.
Liebe ist wie Atmen. Wenn dir jemand erzählt: „Ich atme nur,
wenn ich mit dir zusammen bin, und den Rest der Zeit atme ich nicht“,
dann traust du ihm nicht. Wie kannst du ihm trauen? Er wäre tot, wenn
er ohne dich nicht atmen würde. Liebe ist der Atem deiner Seele.
Aber so haben wir es gemacht: Seit Jahrhunderten haben wir den Leuten diese
dummen Ideen eingepflanzt und so viel Unglück in der Welt verbreitet,
so viel Eifersucht, Besitzwut und Haß gesät – völlig
grundlos! Wir haben den Leuten diese dumme Vorstellung einprogrammiert,
daß Liebe nur zwischen zwei Personen stattfinden kann, also eine Zweierbeziehung
sein muß: „Wahre Liebe ist eine Zweierbeziehung. Wenn nicht,
ist es keine wahre Liebe...“ Genau das Gegenteil ist der Fall: Wenn
es eine Zweierbeziehung ist, dann ist es nicht die wahre Liebe. Dann ist
sie unecht, eine Vortäuschung; dann ist sie nur eine Illusion. Dann
machen sich zwei Leute etwas vor und werden sich selbst untreu – nicht
nur dem anderen, sich selbst auch!
Wie kann ein Mann, der Sinn für Schönheit hat, es vermeiden, die
Schönheit der Frauen wahrzunehmen? Und wie kann er es vermeiden, sich
für sie zu interessieren? Der einzige Weg ist, seinen Sinn für
Schönheit völlig abzutöten. Aber dann ist er auch nicht mehr
an seiner eigenen Frau interessiert. Genau das ist passiert: Wegen dieser
idiotischen Vorstellung, daß Liebe eine reine Zweierbeziehung sein
muß, gibt es keine Liebe mehr auf der Erde. Die einzige Möglichkeit
ist die, daß der Mann die eigene Frau nicht mehr liebt, denn er muß
den Drang nach Liebe als solchen abtöten; er muß jeden Sinn für
Schönheit unterdrücken und vergessen, daß es so etwas wie
Ästhetik überhaupt gibt. Aber dann – vergeßt das nicht
– kann er seine eigene Frau auch nicht mehr lieben; dann kann er nur
noch so tun. Dann muß er leere, inhaltslose Gesten machen.
Eine Frau, der gesagt wird: „Du darfst nur deinen eigenen Mann lieben
und nicht das geringste Interesse an anderen Leuten zeigen“, verliert
zwangsläufig auch das Interesse am eigenen Mann.
Deshalb verlieren Ehepaare ja auch das Interesse aneinander. Sie streiten
sich ständig; sie finden immer neue Ausreden für ihren Streit.
Aber der wahre Grund für ihre Streitereien ist, daß ihren Lebensenergien
nicht erlaubt wird, sich zu entfalten.
Die Wahrheit ist schlicht und einfach die, daß ein Mann, der sich
zu Schönheit hingezogen fühlt, an vielen Frauen Interesse hat.
Eine Frau, die Interesse an Schönheit hat, bleibt an allen möglichen
Männern interessiert. Es kann sein, daß sie sich für einen
am meisten interessiert; vielleicht so sehr, daß sie mit dieser Person
zusammenleben möchte, aber das bedeutet nicht, daß ihr Interesse
an anderen Leuten einfach verschwindet; es bleibt vorhanden. Aber wenn du
mit deinem Mann oder deiner Frau spazierengehst, und der Mann sagt: „Schau
dir diese Frau an, wie schön sie aussieht!“, dann gibt es sofort
Ärger. So etwas darf er nicht sagen! Nichts ist verkehrt daran, ja,
du solltest froh sein, daß dein Mann noch normal und lebendig ist,
daß seine Reifen noch nicht völlig plattgefahren sind. Du solltest
froh sein, daß er noch jung und frisch ist; daß er sich eine
ästhetische Empfänglichkeit bewahrt hat. Es ist nicht nötig,
eifersüchtig zu werden.
Osho, Beziehungsdrama oder Liebesabenteuer
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